Männer sind anders, Frauen auch


Männer sind anders, Frauen auch, sagt der Buchtitel,  Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus, das verrät dann der Untertitel, eine Weisheit, die ihre Wahrheit alle Tage zeigt.

Der Mann beispielsweise sitzt nach dem Frühstück vorm Computer, um die Funktion eines neuen Windows-Beschleuniger-Programms zu testen. Selbstverständlich, wir hatten ausgemacht, ein Zimmer etwas umzuräumen, aber das bisschen Räumerei kann doch warten. Die Venusbewohnerin kramt derweil unten ewig rum. Typisch, denkt Mann, wir wollten doch die obere Etage einrichten und die Frau lässt sich mal wieder Zeit. 

Aus diesem Traum wird er durch die barsche Aufforderung gerissen, nun endlich mit dem Umräumen anzufangen. Dass er schon gewartet hat und nicht alleine anfangen wollte, weil er beim Einrichten ja doch immer alles falsch mache, hätte er besser nicht gesagt, denn jetzt erfährt er, dass unten das Bad zu putzen war, die Betten abgezogen werden mussten, die Waschmaschine angestellt und der Müll rausgebracht werden musste. Ob sich ein Regentag in einem wäschetrocknerlosen Haushalt als Waschtag für Bettwäsche eignet, ist die falsche Fragestellung. Die Bettwäsche müffelt. Damit ist die Diskussion auf ihrem End und Höhepunkt angelangt, denn jeder Einwand („habe ich gar nicht gemerkt“ – oder „auf ein oder zwei Tage kommt es doch nicht an“) würde, das sagt die männliche Erfahrung, die Lage nur verschärfen.

An Eskalation aber ist dem Marsbewohner nicht gelegen, auch wenn er als ein kriegerischer Typ gilt. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit, wenn überhaupt. Marsianer nämlich sind friedliebend, sie können in den Kampf ziehen, haben aber keinen Spaß daran. Man schaue sich nur mal im Tierreich um, wie friedlich ein Löwenmann in der Sonne dösen kann.

Aber Dösen ist nun mal nicht angesagt, sagt die Frau. Sie findet die Frage, wie und wo welche Teppiche platziert werden sollen, ungemein fesselnd. Ob der kleine Perser, der mittelgroße Afghane oder der Berber sich zwischen Sofa und Bettenkiste besser macht? Vielleicht muss auch die Kiste da weg und eine andere dort hin? Die Zahl der Varianten, das ist dem mathematisch interessierten Marsianer sofort klar, geht ins Unendliche. Und weil der Mensch die ästhetische Wirkung der verschiedenen Bettenkistenaufstellungsmöglichkeiten mit seiner reinen Vorstellungskraft schlecht antizipieren kann, müssen die verschiedenen Möglichkeiten durchgespielt werden, ganz praktisch, versteht sich. Bei dem Mann, dessen Lust an dieser Tätigkeit dadurch gebremst wird, dass ihm das Ergebnis der Probiererei nicht so wichtig ist wie das Ende, verkleinert sich folglich die Einsatzfreude umgekehrt proportional zur schon verronnenen Zeit, aber direkt proportional zum vergossenen Schweiß. 

Der Regentag - niemand hat es gemerkt, weil alle Sinne auf die Proportionen, Linien und Farbkontraste im Raum gerichtet waren - hat sich inzwischen zu einem windigen Tag mit sonnigen Intervallen gemausert, gut für die Wäsche, gut auch für die Raumtemperatur, schlecht für den schwitzenden Mann, der deswegen versucht, den Prozess zu beschleunigen. Aber wie? Indem man jeweils im richtigen Moment – es muss aber genau der richtige Moment sein - versichert, so, ja genau so müsse der Teppich liegen. Auch einige bewundernde Worte über das Geschick, die Wohnung schön einzurichten, machen sich an dieser Stelle gut.
Ob das Erfolg hatte? Wer will das wissen. Plötzlich jedenfalls hat auch die Frau die Lust am Einrichten verlassen. Plötzlich? Oder hat der Mann nur in seinem dumpfen Dahinarbeiten die Anzeichen der Wandlung übersehen? Keineswegs, erfährt er staunend. Sie habe überhaupt keine Lust dazu gehabt, von Anfang an nicht! Teppiche hinlegen sei Pflichtprogramm, keine Kür! Pflicht, weil sie sich in dem Chaos sonst nicht wohl fühle, geschweige denn Arbeiten könne. 

Der Mann kann das nicht so recht nachvollziehen, sieht aber einen Anhaltspunkt, der Sache eine neue Wendung zu geben: Da die Teppiche jetzt so weit verlegt seien, dass man sich für's erste wohl fühlen könne, könne man dazu übergehen, dieselben zu reinigen. Mindestens gut Staubsaugen. Sie könne derweil ruhig schon mal runter gehen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Aktion ist beendet und dass Staubsaugen kann ohne Tipps, welche Staubsaugerdüse für welchen Zweck einzusetzen ist, rasch durchgezogen werden. 

Außer den Teppichen ist noch der gesamte Teppichboden abzusaugen, das ist klar, dann die Treppe, vorsichtshalber. Die Teppichsaugerei zieht sich hin, das muss so sein, weniger wegen des Drecks, der sich in Teppichen ja immer in unendlichen Mengen sammelt, sondern um dem Verdacht entgegen zu wirken, man habe nicht gründlich gesaugt. Jetzt noch den Teppich unter den Bürostühlen vor dem Computer. An ihrem Computer sitzt, welche Überraschung, unsere Venusbewohnerin. Keineswegs bei der Arbeit, sondern beim Schreiben von Emails, Pflege von sozialen Kontakten. Muss ja auch mal sein, das sehen wir ein. Das Problem ist nur, inzwischen knurrt dem Mann der Magen. Ab in die Küche, Frau!

Ach, was müssen das für schöne Zeiten gewesen sein, als Mann solche Sätze noch sagen konnte, ohne anschließend zur Frittenbude oder zum Chinesen zu müssen! Heutzutage heißt es durchhalten. Die Logik würde gebieten, sich ruhig zu verhalten wie der Löwe. Das spart Kalorien. Der Anblick eines auf der faulen Haut liegenden Mannes ist aber nun etwas, was Frauen gar nicht ertragen können, mag dieses Verhalten aus ernährungs-physiologischen Gründen auch dringend geboten erscheinen. Was tun?

"Ich gehe schon mal runter, Kartoffeln schälen!" - ein genialer Gedanke, scheint es. Leider nicht: "Kartoffeln? Heute gibt es doch keine Kartoffeln, heute gibt es Schupfnudeln, hörst Du mir denn nie zu?!"



  

Kommentare

  1. Ein dickes Like-it! Zu mehr bin ich nach Ausbau meines Gartenschuppen nicht mehr in der Lage, zumal es heute knalle heiß und sonnig war. Nun sitzen Dina und ich auf dem gelben Teppich, nachdem - voll venusisch - Dina meine Terrasse gefegt hat. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass man so etwas machen kann.
    Ganz liebe Grüße vom sonnigen Meer
    Klausbernd und seine heute kapriziösen buchfeen Siri und Selma - muss wohl der Sonnenwind sein

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