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Siebenschläfer

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Bild Wikipedia - Julien 31 Was wusste ich schon von diesen Tierchen, die die Zoologen Glis Glis nennen, bevor sich der Vorfall zugetragen hat, den ich jetzt berichten werden? Nichts, gar nichts. In der ersten Zeit trappelte und raschelte ab und zu in dem Gemäuer, das jahrzehntelang ein Kuhstall gewesen ist und das vielleicht lieber ein Kuhstall geblieben wäre, wenn man bedenkt, wie sehr es sich unserem Ansinnen, ihm alles Kuhstallhafte auszutreiben, widersetzt hat. Nun waren Geräusche dort nichts besonderes, vor allem abends. Feldmäuse und Hausmäuse, Eidechsen, Fledermäuse und das Käuzchen kannten wir schon. Und lief nicht manchmal auch eine halbwilde Katze über das Dach? Eines Tages aber fand ich bei einer Dachreparatur ein interessant aussehendes Tier mit einem auffällig buschigen Schwanz. Es lag tot in seinem Nest. Mag sein, dass ich an seinem Dahinscheiden nicht ganz unschuldig gewesen bin. Beim Hantieren mit Feldsteinen, Brettern, Dachziegeln und Beton mag ich es zu Tode gebracht ...

Wordpress: Ende

 Jetzt ist es passiert, nach langer Überlegung habe ich meinen Blog bei Wordpress gelöscht. Da ist nichts mehr los.  Einerseits haben meine Beiträge immer weniger Leute gelesen. Den letzten gerade mal 4 oder 5. Anderserseits finde ich immer weniger dort, bei dem das Lesen sich lohnen würde. Ohne Austausch macht Wordpress keinen Sinn. Immerhin 14 Jahre habe ich da gepostet. Mal mehr, mal weniger. Jetzt habe ich den Account ganz gelöscht, die Bilder vorher gesichert. Die werde ich durchgehen und ein paar für mich behalten. Und wenn ich Lust habe, was zu schreiben, werde ich das hier tun. Und auf X.

Das asturische Törchen

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Die Kühe sind ausgerissen, trotten über den Weg ins Tal. Wieder einmal. Der Grund ist schnell gefunden: Das Törchen ist kaputt. Einfach durchgebrochen haben es die blöden Viecher. Es ist ihnen nicht schwer gefallen. Denn die asturischen Bergkühe sind stark und das Törchen altersschwach. Abends berät die Familie das Problem. Das Törchen ist alt, das Holz nicht das beste. Ein neues müsste her. Eins aus Stahl. So ein silbrig-glänzendes Ding, wie das vom Nachbarn, dem alten Angeber? Kommt nicht in Frage, meint Maria, die Mutter. Xavier, der Vater, der sein Geld auf dem Bau verdient und dem die Kühe sowieso lästig sind, denkt an die Ausgabe und stimmt seiner Frau zu.Warum nehmen wir nicht einfach die beiden alten Bettgestelle, hat der Pepe doch schon seit 3 Jahren, da geht keine Kuh durch, sagt Fernando, der ältere Sohn, der zusammen mit seinem jüngeren Bruder Ricardo für die Kühe zuständig ist. Bettgestelle? ruft die Oma, die auch Maria heißt, entsetzt. Das Törchen hat doch noch der Opa ge...

Griechisch hätte sinnvoll sein können

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  Ja, dergleichen habe ich gelernt im altsprachlichen Gymnasium. Selbstverständlich mussten wir auch den oben abgedruckten Anfang der Odyssee auswendig lernen. Wir mussten es, aber ich konnte noch nie gut auswendig lernen und war entsprechend froh, dass ich nicht aufgerufen worden bin, ... Fünf Jahre Altgriechisch, jede Menge Stunden pro Woche. Vergeudete Zeit? Sinnlose Quälerei mit einer schwierigen Sprache? Wenn ich überlege, was wir alles gelernt haben in den verschiedenen Fächern und was davon alles eine sinnlose Quälerei war, dann schwimmt das Griechische mitten drin in einem breiten Strom von allerlei Unterrichtsinhalten, die vielleicht wichtig waren oder sind. Der Tintenfisch beispielsweise wurde durchgenommen. Die einen haben was gelernt in den Stunden und es nach dem Test sofort wieder vergessen, an den anderen ist es vorbeigerauscht wie all die anderen Unterrichtsinhalte, vorbeigerauscht wie der Strahlensatz und die Judenbuche. Und das liegt nicht an der Judenbuche. Was d...

Do ut des oder: Wenn du mir nichts gibst, kriegst du auch nichts.

    Do ut des - ich gebe, damit du gibst. Alter römischer Rechtsgrundsatz, überdies auch ein Kernsatz der römischen Religion: Ich opfere der Göttin oder dem Gott XY etwas, damit diese sich erkenntlich erzeigen. Ein Handel, der umso näher liegt, als dass er einem allgegenwärtigen kapitalistischen Prinzip entspricht. Diesem Handeln mit der Götterwelt hat das (jesuanische) Christentum übrigens ein Ende gesetzt. Sola Gratia. Aber ach, der Gedanke, man könne doch etwas heraushandeln, war wohl zu tief verankert oder zu verführerisch: Jeder, der eine Kerze am Antonius-Altar anzündet, damit der Heilige Antonius ihm hilft, einen verlorenen Gegenstand wieder zu finden, gibt etwas, damit ihm etwas gegeben wird: do ut des. Bei der Bloggerei und in den sozialen Medien zündet niemand eine Kerze an, wenn er etwas haben will. Was man als Akteur in den sozialen Medien haben will, ist Aufmerksamkeit. Und was man dafür gibt, sind Herzchen und Kommentare, wer vielen folgt, dem folgen auch viele. ...

Wahlkampf auf dem Dorfe

 Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Kommunalwahlen in 10 Tagen.  Aber der Wahlkampf hier im Dorf und in der Kleinstadt, zu der unser Dorf gehört, ist - sagen wir - etwas merkwürdig. So ein üblicher Wahlkampf findet nämlich gar nicht statt. Keine Versammlungen, keine Stände vor den Geschäften, wo man Kugelschreiber oder ein Blümchen geschenkt bekommt, keine Kandidaten, die von Haustür zu Haustür gehen. Das einzige, was ich sehe, sind Plakate. Auf dem Weg vom Haus zum Bahnhof: Alles voller Plakate. Auf der Fahrt zum Aldi habe ich gesehen, wie von der Ladefläche eines Transporters aus zwei Menschen ein Plakat an einem Laternenmast aufgehängt haben. Ein recht junger Mann, eindeutig zu den People of Color gehörig, wie man heute sagt. Und eine Frau in den 30er, deren Haut weiß ist, deren sehr, sehr langen Haare aber sehr rot gefärbt waren. Kannte ich beide nicht. Auf der Rückfahrt vom Aldi habe ich dann mit Erstaunen bemerkt, dass es sich bei den Plakataufhängern um die örtlichen Ka...

Die Kunstsammlung der Stadt - Archivbesuche 2

  Die einzelnen Werke der Kunstsammlung der Stadt sind im Katalog der Stadtbücherei erfasst, online einsehbar für alle. Prima, das ist doch schon mal eine gute Grundlage. Aber 1: Die Werke sind ohne Abbildungen erfasst. Wie soll sich jemand für die Ausleihe eines Bildes entscheiden, wenn er noch nicht einmal eine kleine Abbildung sehen kann? Nur nach dem Namen des Künstlers? Also müssen Reproduktionen aller Werke her und in den Katalog eingepflegt werden. Alle Werke sind mal abfotografiert worden, weiß eine der Bibliothekarinnen, aber wo sich die Reproduktionen befinden, das weiß sie nicht.  Nach einer Weile finden wir im Keller eine ganze Menge Dias. Da hat jemand vor langer Zeit die Bilder mehr oder weniger profimässig reproduziert. Vor langer Zeit: Die Dias sind längst nicht mehr farbgetreu. Und was will man 2025 mit Dias? Einscannen? Dann versuchen, mit Photoshop wieder korrekte Farben zu erzielen? Wird kaum hinhauen und wäre eine Heidenarbeit. Und weil die Dias nicht besc...