Posts

Posts mit dem Label "Früher" werden angezeigt.

Griechisch hätte sinnvoll sein können

Bild
  Ja, dergleichen habe ich gelernt im altsprachlichen Gymnasium. Selbstverständlich mussten wir auch den oben abgedruckten Anfang der Odyssee auswendig lernen. Wir mussten es, aber ich konnte noch nie gut auswendig lernen und war entsprechend froh, dass ich nicht aufgerufen worden bin, ... Fünf Jahre Altgriechisch, jede Menge Stunden pro Woche. Vergeudete Zeit? Sinnlose Quälerei mit einer schwierigen Sprache? Wenn ich überlege, was wir alles gelernt haben in den verschiedenen Fächern und was davon alles eine sinnlose Quälerei war, dann schwimmt das Griechische mitten drin in einem breiten Strom von allerlei Unterrichtsinhalten, die vielleicht wichtig waren oder sind. Der Tintenfisch beispielsweise wurde durchgenommen. Die einen haben was gelernt in den Stunden und es nach dem Test sofort wieder vergessen, an den anderen ist es vorbeigerauscht wie all die anderen Unterrichtsinhalte, vorbeigerauscht wie der Strahlensatz und die Judenbuche. Und das liegt nicht an der Judenbuche. Was d...

Bettentradition

Bild
Da stehen sie, die beiden alten Betten. Und einer der beiden Nachttische ist auf dem Foto von 1906 auch zu sehen. Spätestens 1903 haben Grossvater und Grossmutter die Möbel gekauft. Da waren sie frisch verheiratet, ein Ehebett musste her. Nach Grossvaters Tod zog die Grossmutter mit Betten und Nachttischchen von Marienburg nach Berlin. Grossmutters Wohnung wurde 1944/45 ausgebomt und geplündert. Die Schlafzimmermöbel überstanden das unbeschadet. 1953 schenkte Grossmutter die Möbel meinen Eltern, sie standen dann lange im neuerbauten Haus. Als Kleinkind habe ich auch darin geschafen, in der Mitte zwischen den Eltern. Eines der Betten hat meine Mutter nach 1960 umarbeiten lassen, moderner sollte es sein. Der Vater, der ein eigenes Schlafzimmer hatte, blieb beim alten Bett. Bett und ein Nachtisch sind dann noch mit meiner Mutter ins Altersheim umgezogen, waren bis 2004 in Gebrauch. Eins steht noch im Keller. Könnte ich drin schlafen. Will ich aber nicht. Irgendwann ist auch mal genug mi...

Segelpartie 1906

Bild
Da segeln die Herren - im Sommer 1906 auf dem Frischen Haff: Der Herr Justizrat aus Elbing und der Herr Notar aus Marienburg, sein Bruder, und der Arzt aus Braunsberg, der eine Flasche Rotwein in der Hand hält. Chateau Moulis 1904. Man gönnt sich was. Alle sind um die 40 Jahre alt, schon nicht mehr so besonders schlank. Der Herr Notar, mein Großvater, hat auch seine Tochter mitgenommen, meine Tante. Viel Wind hat es nicht. Zum Glück, kann man sagen, denn so recht segelmäßig gekleidet ist der Herr Notar mit seinem Stehkragenhemd nicht. Nur die Mütze ist maritim, aber die trägt er immer. Der Arzt, ein Schwager der beiden Juristen, hat einen legeren Pulli angezogen, ganz auf der Höhe der Zeit, denn Pullover - nur zum Sport selbstverständlich, nur zum Sport! - galten als modern, die vornehmen Briten machten es vor. Wem das Boot gehört hat, weiß ich nicht. Vermutlich handelt es sich um die "Biene" des Justizrats gehört haben. Der hatte eine reiche Frau geheiratet, die auch ein ...

Tagesbeschäftigung

Bild
 Ich meine, es fragt ja keiner, aber wenn einer fragen würde, was ich so den ganzen Tag mache derzeit, dann würde ich sagen: Sowas, sowas wie da oben, so Fotos aus der Zeit, als man noch Photos geschrieben hat und nicht Fotos. Und nicht 20 Bilder am Tag gemacht hat, sondern 2 im Jahr. So im Schnitt.

Abituriententreffen: Wir wissen wenig voreinander

Wir wissen wenig voreinander, haben alle geschrieben. Stimmt – wir wussten auch damals wenig voneinander. Viele lange Schuljahre ging man in die gleiche Klasse, von den Sitznachbarn wusste man vielleicht das eine oder andere. Oder von denen, mit denen man zusammen in Bus oder Bahn zur Schule pendelte. Von der Esser-Floten-Fuß-Schmitz-Ecke bis zur Loch-Haeusler-Schulz-Schliephak-Thomas-Ecke waren es nur ein paar Meter, aber viel zur Kenntnis nahm man sich nicht. Das mag auch daran gelegen haben, dass in der einen Ecke die Dialektsprecher sich gefunden hatten, in der anderen die, deren Eltern nicht aus dem Rheinland stammten. Wolfgang Thomas hatte es nur nach Wesseling verschlagen, weil sein Vater – ein preußisch-strenger Mann – bei Shell gearbeitet hat, die Verwandtschaft seiner Mutter stammte aus Polen. Wie Loch und Schliephak ging ihm das, was man so die rheinische Lebensart nennt, völlig ab: Statt „Jeder Jeck is anders“ war „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ die Devise. Ein wen...

Wir Feinschmecker

Das allüberall anzutreffende Getue um das Essen geht mir auf den Keks. Früher, in meinem Elternhaus, war man dankbar, dass es genug zu essen gab, und man gab dieser Dankbarkeit auch im Tischgebet Ausdruck. Und dann wurde gegessen. Alle aßen das gleiche, selbstverständlich. Mit winzigen Ausnahmen, denn nicht jeder mochte Selleriesuppe, beispielsweise. Und damit war es gut, keine Diskussionen über die Qualität des Olivenöls oder ob die Dinkelnudeln vom Rewe besser sind als die von Alnatura …

Karneval 1958 und 1960

Bild
1958 war ich Katze, Karnevals-Katze. Als Junge hätte ich natürlich Kater sein müssen, aber wahrscheinlich war ich Katze, weil ich das Kostüm von meiner älteren Schwester geerbt hatte.  1960 dann Indianer. Nach " orientalischer Prinz " und "Katze" natürlich ein enormer Fortschritt. Ein richtiger wilder Indianer, Häuptling natürlich, zu erkennen an den vielen Federn, die mein Vater von irgendeinem Bauern mitgebracht hatte, der auf der Jagd Fasane geschossen hatte. Den Fasan als solchen gab es als Sonntagsbraten. Zum Kostüm gehörte eine braune Hose mit roten Flatterstreifen. Die Hose steht offen - ist halt ein ziemlich wilder Indianer. Indianer war, wie gesagt, besser als Katze oder Prinz, aber immer noch eine ziemliche Scheiße. Das wissen Mütter natürlich nicht, die nie einen Western gesehen haben: Aber was ist die Rolle eines Indianers? Er darf zwar mitspielen mit den anderen Jungs, wird aber in der Regel ziemlich bald abgeknallt ..... auch Pfeil und...

Weiberfastnacht

Bild
Karneval im Kindergarten 1957. Ein Fotograf war da und hat das Traumpaar fotografiert: Christa und Martin, die Prinzessin und der orientalische Prinz. Allerdings: Der Prinz hatte keine Lust, mit einem albernen Mädchen zu tanzen, er hatte überhaupt keine Lust zu tanzen, er hatte auch keine Lust auf dieses affige Kostüm, sondern träumte davon, wie alle anderen Jungs in einem Cowboy-Kostüm aufzutreten, mit einer dieser Pistolen, mit denen man so schön rumknallen konnte. Cowboy? Pistole? Kam nicht in Frage. Märchen-Prinz - so eine Scheiße.

20. April 1980

Bild
Als das Bild aufgenommen worden ist, war ich ziemlich genau halb so alt wie heute. Und ziemlich genau halb so gut gelaunt wie heute.      (Polaroid-Repro)

Arbeit früher und heute

Bild
Damit niemand denkt (warum soll das eigentlich niemand denken?), wir würden unsere Zeit nur mit Segeln verbringen, nichts da, es wird weiter gerenoviert und gearbeitet: Früher, da war alles anders. Früher, als ich noch dem Staat gedient habe, da hatte ich noch Zeit, warme Sommernachmittage im Park zu verbringen:

Einen Rasierapparat kaufen, wo käme ich da hin ...

Bild
Ich habe mir noch nie in meinem Leben einen Rasierapparat gekauft. Jedenfalls keinen elektrischen, so ein paar Schaber habe ich vielleicht vor vielen Jahren mal besessen, einen - jetzt erinnere ich mich - habe ich mir 1973 in Hirschberg gekauft, ein stabil aussehendes, aber ziemlich unbrauchbares Gerät aus polnischer, wenn nicht russischer Produktion, das alleine geeignet wäre, die Unterlegenheit der kommunistischen Warenproduktion zu beweisen. Egal, um Elektro-Rasier-Apparate soll es gehen. Da zunächst mein Bart recht spärlich spross, ... war ein Rasierapparat auch nicht so nötig. Trotzdem rasierte ich mich mehr oder weniger regelmäßig mit meinem ersten Braun-Rasierer, mein Vater hatte ihn ausrangiert, für mich war er völlig ausreichend. Später, als der dreißigste Geburtstag näher rückte und der Bart dann doch stärker wurde, ließ ich ihn wachsen, der gute Braun wurde bis etwa 1985 eingemottet. Dann war der Drei-Tage-Bart angesagt, alle drei oder vier oder fünf Tage kam wi...

Vom Ursprung

"So sehr ich mich Frankreich verbunden fühle, so wurde ich doch gewahr, dass ein Teil von mir keinen anderen Ursprung hatte als den Boden, auf dem ich mich jetzt befand." Das notiert Julien Green, der in Frankreich geboren und aufgewachsen ist, als er zum ersten Mal in den Südstaaten ist, in dem Ort, an dem seine Mutter aufgewachsen ist. Das kann ich auch sagen, so geht es mir, wenn ich in Polen in der Gegend bin, aus dem meine Eltern stammen. Vielleicht glauben die Leute dem Julien Green eher als mir.

Schrott?

Bild
All die gewonnenen Pokale, gestapelt in einer Kiste, sofern sie aus Metall waren - die Glasbecher und -gläser sind fast alle schon im Altglascontainer, weil dem Dauergebrauch nicht gewachsen. Jetzt kommen sie weg. Punkt.

Vaters Krug

Bild
Das ist Vaters Weinkrug, hier von den Erben gebraucht. Er hat sich darin jeden Abend seinen Viertelliter abgemessen, meist Rotwein, und beim Fernsehen getrunken. Ob er nachgefüllt hat, weiß ich nicht, da war ich schon im Bett ...

Wir werfen nichts weg

Bei Kings von gegenüber hat wahrscheinlich ein Marder alle 5 Hühner umgebracht. Jetzt wollen sie trotzdem neue Hühner kaufen. Wir haben ja so viele Essensreste, sagt Frau Kings, aber wir haben noch die schlechte Zeit mitgemacht, als es nichts zu essen gab, wir werfen nichts weg, wir geben alles den Hühnern.

Über Land

Bild
Ach, das Land. Heute bißchen rund um Kerpen geradelt, am Marienfeld bearbeiteten zwei Traktoren gerade einen Acker. Da hab ich angehalten, um zu sehen, ob der eine nicht ein Schlüter-Traktor ist, so einen roten Schlüter wie auf dem Bild hab ich ja auch mal besessen, früher, als ich noch Landwirtschafts-GmbH-Mehrheitseigner war (das hab ich jetzt aber schön ausgedrückt). Und wie gut die beiden Traktoristen das Feld für die Saat vorbereitet haben! Ach, das Land.

Seifenspender

Im Bad steht ein Seifenspender, wenn man drauf drückt, kommt Flüssigseife raus, klar. So kann man sich erst etwas Flüssigseife auf die Hände spritzen, die Seife verteilen und erst dann unter fließendem Wasser abspülen. Spart Wasser. Und oft, wenn ich diesen Seifenspender benutze, muss ich an meinen Vater denken, der keinen Seifenspender, aber eine noch wassersparendere Methode hatte: Wenn er aus dem Garten oder aus dem Hühnerstall kam, die Hände schwarz vor Dreck - ein Mann trägt keine Handschuhe - , dann ließ er unten im späteren Gästezimmer warmes Wasser ins Handwaschbecken laufen und wusch sich die Finger mit Seife in der warmen, stehenden Brühe. Sich die Hände bei laufendem Wasser säubern? Welche Verschwendung!

... ebay, ebay ...

Sitze seit Stunden daran, gut 20 Sachen bei Ebay zu verkaufen: Photos machen, Photos bearbeiten, Texte schreiben, Angebot hochladen. Was das für Arbeit macht: Früher war halt doch alles besser - da hat man die Sachen einfach in die Mülltonne geworfen.

Nix als Ahnen

Seit ein paar Tagen arbeite ich am Online-Stammbaum, der Familienseite. Jetzt scanne ich Fotos ein und noch mehr Fotos, die dann umständlich in Photoshop bearbeitet werden müssen. So blicke ich den Ahnen und der eigenen Vergangenheit ins Auge. Soll ja gut sein, sich mit den Wurzeln zu beschäftigen. Und wenn's zu viel wird mit den Ahnen, dann geht es in den Garten, ein Loch ausbuddeln für eine Garten-Teich-Gießwasser-Reservoir.

Der Beweis

Bild
Beim Kramen nach alten Fotos für die Haeusler-Familien-Seite bei myheritage.de hab ich es gefunden: Ein Foto vom Erstkommunions-Geschenketisch und da liegt - zugegebenermaßen ein wenig unscharf - die Kamera. Was für ein Buch ich da lese, weiß ich nicht mehr.