Waldbrände und Viehzucht in Asturien
Einige Hektar stehen in Flammen. Kein Wald, sondern Buschland. Der Feuerwehrhubschrauber kommt, die Bomberos, wie man hier in Asturien sagt. Er lässt aus einiger Höhe seine Wasserladung auf das Feuer plumpsen, nach eine Weile kommt er wieder. Nach der vielleicht 20. Ladung ist das Feuer eingedämmt, und weil ein felsiger Abhang die weitere Ausbreitung verhindert, glimmt es bald nur noch hier und da.
Nachts brennt es dann wieder, direkt daneben. Diesmal kommt kein Hubschrauber. Gut so, sagen die hiesigen Bauern, die ganze Region da drüber habe es nötig gehabt, was denn bitteschön sollen die Kühe fressen, wenn alles von Stechginster, Adlerfarn und Brombeergestrüpp überwuchert ist? Früher, so erzählt einer, sei immer alles schön "limpio" gewesen. "Limpio", das heißt sauber, ohne Gestrüpp, da habe das Gras sprießen und das Vieh fressen können. Aber heute? Heute könne man nicht mal in Ruhe einen Hang abbrennen, ohne dass Feuerwehr und Polizei hinter einem her seien. Brandstiftung? Ach, welch ein böses Wort! Man kenne sich halt aus mit dem Feuer, mal hier ein Stück, mal da. Das habe man im Griff.
Wenn die Kühe oben auf den Almen zu wenig Gras finden, dann müssen die Bauern Viehfutter kaufen. Das ist teuer, dann lohnt sich die Viehzucht in den Bergen nicht mehr, jedenfalls die traditionelle Viehzucht, bei der die Kühe von April bis Ende Oktober alleine auf den Bergen weiden und nur in den restlichen Monaten die Wiesen im Tal abfressen oder das im August geerntete und gepresste Heu.
Die Folge ist, dass sich die Viehhaltung in die Täler verlagert. Prima, sagt der Nicht-Bauer, dann kann sich die Natur da oben in den Bergen ungestört entfalten. Wiederaufforstung! Und schon sieht er von allerlei Wildtieren bevölkerte Neo-Urwälder vor seinem inneren Auge.
Das Problem: Die die Wildnis liebenden Nicht-Bauern werden nicht alle plötzlich zu Vegetariern werden. Milch, Käse und Rindfleisch wird weiter nachgefragt werden und die Bauern können nicht alle in Rente gehen oder einen Job im Tourismus finden. Sonst gibt es in den Bergdörfern nicht viel.
Die Viehhaltung - man kann das schon heute deutlich sehen - wird sich in den Tälern konzentrieren. Große Ställe, die die Kühe das ganze Jahr nicht verlassen. Das übliche halt. Sonst lohnt sich die Tierhaltung mit gekauftem Viehfutter nicht.
Es mag paradox klingen, ist aber so: Diejenigen, die von Natur, Wildnis und Wiederaufforstung schwärmen, befördern die moderne Massentierhaltung, die sie doch ablehnen. Nur Veganer sind fein raus. Die schaffen die Kühe direkt ganz ab.

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