Die Kunstsammlung der Stadt - Archivbesuche 2

 Die einzelnen Werke der Kunstsammlung der Stadt sind im Katalog der Stadtbücherei erfasst, online einsehbar für alle. Prima, das ist doch schon mal eine gute Grundlage.


Aber 1: Die Werke sind ohne Abbildungen erfasst. Wie soll sich jemand für die Ausleihe eines Bildes entscheiden, wenn er noch nicht einmal eine kleine Abbildung sehen kann? Nur nach dem Namen des Künstlers? Also müssen Reproduktionen aller Werke her und in den Katalog eingepflegt werden.


Alle Werke sind mal abfotografiert worden, weiß eine der Bibliothekarinnen, aber wo sich die Reproduktionen befinden, das weiß sie nicht. 


Nach einer Weile finden wir im Keller eine ganze Menge Dias. Da hat jemand vor langer Zeit die Bilder mehr oder weniger profimässig reproduziert. Vor langer Zeit: Die Dias sind längst nicht mehr farbgetreu. Und was will man 2025 mit Dias? Einscannen? Dann versuchen, mit Photoshop wieder korrekte Farben zu erzielen? Wird kaum hinhauen und wäre eine Heidenarbeit. Und weil die Dias nicht beschriftet sind, müsste man dann unter 800 Werken suchen, welches denn da reproduziert ist. Alles nicht praktikabel, die Dias sind unbrauchbar.


Dann findet sich ein Stapel mit CD, beschriftet mit „Artothek“ und einer Nummer, deren Sinn nirgends erläutert ist. Ob da die Reproduktionen drauf sind? Sehen wir uns doch mal eine dieser CDs an. - Geht nicht: Die Stadtbücherei hat feine neue Mini-PCs bekommen, alle ohne CD-Laufwerk. 


Wer hat noch einen Rechner mit CD-Laufwerk? Wir nicht. Nach einiger Zeit treiben wir im Bekanntenkreis einen alten Laptop auf. Der liest die CD auch brav ein - und tatsächlich finden sich darauf Reproduktionen der Bilder der Kunstsammlung.  Da hat sich jemand viel Mühe gegeben und Bild für Bild fotografiert. Leider war die Mühe vergeblich. Denn abgesehen davon, dass die Dateinamen keinerlei Hinweis darauf enthalten, um welches Werk es sich jeweils handelt, sind die Bilder ohne einheitlichen Weißabgleich aufgenommen worden (also nicht farbkorrekt), in den allermeisten Fällen unscharf (weil ohne Stativ fotografiert) und, weil sie mit Rahmen fotografiert sind, voller Spiegelungen. Fazit: Unbrauchbar.


Alle Kunstwerke (wirklich alle? Wann zuletzt überprüft und aktualisiert ?) sind auf Karteikarten verzeichnet, die in zwei heute schon nostalgisch anmutenden  Karteikästen stecken. Geordnet nach Anschaffungsdatum und mit einer Inventarnummer versehen, die sich auch im Onlinekatalog wiederfindet. Fragt sich nur, wie man die Werke, die ungeordnet in Regalen lagern oder ebenso ohne erkennbare Ordnung an einer der Schiebewände hängen oder in einer Vitrine stehen oder auf einem Regal liegen oder eingepackt in Pappschachteln auf einem großen Stapel - wie man die Werke da anhand einer Inventarnummer finden soll. Unmöglich. 


Also verbringen wir ein paar Stunden damit, die Bilder nach Inventarnummern zu ordnen. Als wir etwa 20 Prozent ungefähr geordnet hatten - nicht wenige Bilder waren nicht aufzufinden - fanden wir zwei weitere Karteikästen, diesmal aus buntem Plastik. Und, siehe da, da war das alphabetische Verzeichnis: Offenbar jüngeren Datums, da mit dem Computer erstellt, und mit kleinen Abbildungen versehen. 

Hoppla, da waren sie also, die verschollenen Abbildungen. Allerdings nur in Passbildgrösse und mit einem billigen Farbdrucker auf Normalpapier gedruckt. Also unbrauchbar für den Online-Katalog. 

Mit dem Computer erstellt: Folglich mussten die Bilder auf irgendeinem Rechner in digitalisierter Form gespeichert sein. Aber wo? Die Chefin der Stadtbücherei wusste von nichts. Wir sollten die Kollegin X fragen, die würde sich besser mir der „IT“ auskennen, sei aber erst nächste Woche wieder im Hause, wann genau, wisse sie nicht, wir sollten anrufen. Haben wir gemacht, Termin vereinbart. Frau X wusste allerdings auch nichts. Wir sollten Frau Y anrufen, die letzte Leiterin der Artothek, die hätte das schließlich gemacht. Angerufen, Termin vereinbart. Ja, sagte Frau Y, das hatte ich alles auf meiner Festplatte gespeichert. Und wo ist die Festplatte? Na auf meinem  Computer, den ich in meinem Büro hatte, da habe ich alle Daten zu allen Kunstwerken gespeichert, die Fotos natürlich auch. Und wo ist dieser Rechner jetzt? Keine Ahnung, das war so ein grauer, vielleicht steht er hier irgendwo rum? 

Wir suchten fleißig im Keller, fanden noch eine Menge von alten Unterlagen wie Rechnungen und hunderte Einladungskarten zu Ausstellungen von 1987 und 1995 - aber leider keinen Rechner. 

Die Chefin der Stadtbibliothek und Frau X versicherten, nirgendwo stehe noch ein alter PC herum, die „IT-Abteilung“ habe bei der Umstellung auf das neue System alles entsorgt. 


Die Reproduktionen sind wohl endgültig verschollen. 


(Fortsetzung folgt)

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